Das Schiff

ist ein getreuer Nachbau der Miniaturfregatte ROYAL LOUISE von 1832. Diese diente bis 1914, über fünf Generationen, den preußischen Königen, den deutschen Kaisern und ihren Gästen als Freizeitschiff und war damit, soweit wir wissen, die erste rein sportliche Segelyacht auf den Berliner und Potsdamer Gewässern.
Das äußere Bild de
r ROYAL LOUISE mit ihrer Takelage sowie die Rumpfform mit dem Kanonengang, der Heckgalerie und der Galion am Bug entsprechen in allen wesentlichen Einzelheiten den Fregatten, wie sie in dieser Form in Großbritannien ab circa 1825 für die Royal Navy gebaut wurden, allerdings im Maßstab 1:3.

Der Takelriss.

Die ROYAL LOUISE ist eine mehr oder weniger originale Rekonstruktion eines historischen Schiffes und wurde natürlich aus Holz erbaut. Nur der Kiel und die Spanten wurden aus Gründen der Holzersparung aus Stahlprofilen hergestellt. Diese Technik nennt man Kompositbauweise. Hier eine Beschreibung der verwendeten Hölzer als PDF-Datei.

Im Längsschnitt.

   

Im Querschnitt: Spant 18 und Spant 38.

Der Salon

Bei der Ausführung des Nachbaues war nicht bekannt, wie die originale ROYAL LOUISE von 1832 im Inneren des Schiffes gestaltet gewesen war. Es gab nur die oberflächliche Beschreibung von Christoph Voigt aus dem Jahr 1929[1]. Im Archiv der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten existiert eine Inventarliste, in der Einzelheiten der Ausstattung aufgelistet sind und die bis zum 15. Juli 1835 geführt wurde[2]. Ihre Existenz wurde jedoch erst nach Fertigstellung des Nachbaues bekannt. Im Wesentlichen entspricht die Rekonstruktion der Raumgestaltung dennoch ziemlich genau den in ihr gemachten Angaben.

Diese Raumgestaltung orientiert sich am vornehmen britischen Yachtbau und will dementsprechend nicht prunkvoll wirken. Möbel aus Mahagoni sind natürlich Pflicht. Für die Polster wurde grünes Leder gewählt, damit sich Farbkontraste zum roten Holz ergeben.

Die Verkleidung der Seitenwände sollte aber nicht in Mahagoni sein. In Zusammenarbeit mit der „Sattlerei Jaschke Berlin“, die die Salonpolster fertigte, ist eine Bespannung mit Gobelins gewählt worden. Zum Glück gibt es in Sachsen eine Traditionswerkstatt, die noch diese Stoffe webt. Die „Cammann Gobelin Manufaktur“ besteht seit 1886 in Chemnitz. Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Unternehmen richtungsweisend für die gesamte Branche und lieferte Stoffe zum Beispiel für die Erste–Klasse-Wagen der Sächsischen Staatsbahn, den Schnelldampfer BREMEN und das Schloss des Maharadschas von Indien. Noch heute fertigt es exklusive Möbelstoffe und Gobelins, zum Beispiel für die Deutsche Staatsoper Berlin und andere Opernhäuser, den Moskauer Kreml und das Kreuzfahrtschiff PRIDE OF BALTIMORE.

Das Muster der Gobelins der ROYAL LOUISE wurde in der Weberei Anfang der 1950er Jahre entwickelt. Es heißt „Tapisserie 7907“; das Ornament ist im Stil des Empire gehalten, einer Sonderform des Klassizismus bis etwa 1830. Mit seinen stilisierten Rosen trifft es den Geschmack nicht nur der Engländer.


[1] Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Potsdams, NF Bd. VI, Heft 2.

[2] Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Inventar 1832 Pfaueninsel, Teil XXII.

 

Blick in den Salon der ROYAL LOUISE.
Die Gobelins an den Seitenwänden.

  

Auch unter Motor sauber unterwegs

Als der Nachbau eines historischen Segelschiffes braucht die ROYAL LOUISE auch einen Hilfsmotor. Der eingebaute Vierzylinder-Dieselmotor von der Firma VALMET kann 100 kW leisten. Dabei beträgt der Verbrauch 4 bis 5 l/h.

Seit 2017 wird dieser Motor mit C.A.R.E.- Diesel betrieben. Das ist ein vollsynthetischer, emissionsarmer, aromatenfreier Kraftstoff, bestehend aus reinen Kohlenwasserstoffen. C.A.R.E.- Diesel wird aus Abfällen tierischer Fette und Pflanzenöle durch Hydrierung und Isomerisation hergestellt,  die Basis ist ein Produkt aus nachwachsenden Rohstoffen. Es wird kein Biodiesel (FAME) beigemischt.

C.A.R.E.- Diesel

  • ist motorisch exzellent verträglich,
  • bringt eine erhebliche Geräuschreduktion,
  • hat eine sehr hohe Cetanzahl (ca. 75),
  • entwickelt wenig Kaltstartemissionen,
  • erzeugt 33 % weniger Feinstaub, 24 % weniger Kohlenmonoxyd,
    9% weniger Stickoxyde als herkömmlicher Diesel und hat somit
    eine saubere Ökobilanz.

(Ausführlich in: PALSTEK 6/2015.)

Technische Daten der ROYAL LOUISE

Baujahr 1998 Bauort Berlin-Köpenick
BTG Arbeit mbH
Länge Schiffskörper 17,83 m Tiefgang 1,50 m
Länge Wasserlinie 15,43 m Verdrängung 32 m³
Länge mit Klüverbaum 26,00 m Breite 4,36 m
Takelung Vollschiff
Fregatte
Segelfläche 153 m²
Dieselmotor VALMET-Diesel Finnland
4 Zylinder; 4,4 dm³
100 kW bei 2200 upm
Generator PANDA 230 V; 5,5 kW
Bauart Kompositbau, Holzplanken auf Stahlspanten Zulassung Tagesfahrt auf Binnengewässern sowie Küstenfahrt